Interim Manager arbeiten häufig mit hohen Tagessätzen, gleichzeitig aber auch mit einer außergewöhnlich starken Abhängigkeit von wenigen Mandanten. Wer mehrere Monate für einen Konzern, einen Mittelständler oder ein Unternehmen in einer Restrukturierung tätig ist, kann schnell einen hohen sechsstelligen Leistungswert gegenüber nur einem Auftraggeber aufbauen. Werden Rechnungen erst nach 60, 90 oder mehr Tagen bezahlt, entsteht ein erheblicher Liquiditätsbedarf. Factoring kann bei geeigneten bereits entstandenen B2B-Honorarforderungen eine Möglichkeit sein, Liquidität früher verfügbar zu machen. Entscheidend bleiben jedoch Forderungsentstehung, Mandantenbonität, Abtretbarkeit, Dokumentation und die Annahmekriterien der jeweiligen Factoringgesellschaft.
Das Wichtigste für Interim Manager
- Hohe Klumpenrisiken: Ein einziges Mandat kann einen Großteil oder sogar den gesamten laufenden Umsatz ausmachen.
- Factoring setzt entstandene Honorare voraus: Noch nicht erbrachte Beratungsleistungen oder zukünftige Success Fees sind nicht automatisch finanzierbar.
- Keine pauschale 24-Stunden-Auszahlung: Auszahlungsgeschwindigkeit und Vorauszahlungsquote hängen vom Anbieter und der Forderung ab.
- Umsatzsteuer kann Liquidität binden: Die konkrete steuerliche Behandlung hängt vom individuellen Besteuerungsverfahren ab und sollte steuerlich geprüft werden.
- Ausfallschutz ist nicht grenzenlos: Beim echten Factoring kann das Zahlungsunfähigkeitsrisiko angekaufter und gedeckter Forderungen übernommen werden.
- Einzelmandate müssen zum Anbieter passen: Nicht jede Factoringgesellschaft akzeptiert hohe Debitorenkonzentrationen oder Einzelunternehmer.
Berger Factoring unterstützt selbstständige Berater und Interim Manager als unabhängiger Factoring-Vermittler. Weitere Lösungen für beratende Berufe finden Sie unter Factoring für Kanzleien und Beratung.
1. Warum Interim Management besondere Liquiditätsrisiken besitzt
Viele Interim Manager konzentrieren sich während eines Mandats nahezu vollständig auf einen Auftraggeber.
Das unterscheidet sie von Unternehmen mit hunderten Debitoren.
Typische Konstellationen sind:
- monatliche Abrechnung nach Tagessätzen
- 60 bis 90 Tage Zahlungsziel
- ein dominanter Hauptmandant
- Reisekosten und Spesen
- zeitabhängige Bonus- oder Erfolgskomponenten
- Freigabe über Procurement- oder Vendor-Systeme
Dadurch können bereits wenige offene Monatsrechnungen einen erheblichen Betrag ausmachen.
2. Factoring finanziert bereits entstandene Honorarforderungen
Auch beim Interim Management gilt:
Factoring setzt grundsätzlich einen entstandenen Zahlungsanspruch voraus.
Eine Mandatsvereinbarung über zwölf Monate bedeutet deshalb nicht, dass das gesamte künftige Honorar zu Beginn finanziert werden kann.
Relevant sind beispielsweise:
- Wurde die Leistung bereits erbracht?
- Ist die Monatsabrechnung erstellt?
- Sind Zeitnachweise erforderlich?
- Ist eine Freigabe des Kunden notwendig?
- Ist die Forderung unbestritten?
- Ist sie abtretbar?
3. Lange Zahlungsziele bei Konzernen
Große Unternehmen arbeiten häufig mit standardisierten Zahlungsprozessen.
Dazu können gehören:
- Vendor-Onboarding
- Bestellnummern
- Purchase Orders
- digitale Rechnungsportale
- mehrstufige Freigaben
- feste Zahlungsläufe
Factoring kann geeignete Forderungen nach erfolgreicher Prüfung früher liquiditätswirksam machen.
Eine allgemeine Garantie, dass jede Rechnung innerhalb von 24 Stunden ausgezahlt wird, besteht jedoch nicht.
4. Das Klumpenrisiko des Hauptmandanten
Für Factoring kann eine hohe Konzentration auf einen einzigen Kunden anspruchsvoll sein.
Der Factor beurteilt dann insbesondere:
- Bonität des Mandanten
- Höhe der Forderungen
- Mandatsvertrag
- Debitorenlimit
- Forderungsqualität
- mögliche Aufrechnungsrechte
Ein DAX-Konzern oder großer Mittelständler bedeutet nicht automatisch, dass unbegrenzt Forderungen angekauft werden.
Umgekehrt kann ein wirtschaftlich starker Mandant die Prüfung erleichtern.
5. Umsatzsteuer und Liquidität
Bei langen Zahlungszielen kann auch die Umsatzsteuer zu einem Liquiditätsthema werden.
Wie und wann Umsatzsteuer entsteht und abzuführen ist, hängt von der konkreten steuerlichen Situation des Interim Managers ab.
Dazu gehören insbesondere die anzuwendende Besteuerungsform und der jeweilige Voranmeldungszeitraum.
Eine pauschale Aussage, jeder Interim Manager müsse Umsatzsteuer zwingend unmittelbar nach Rechnungsstellung vorfinanzieren, wäre deshalb nicht sachgerecht.
Steuerliche Fragen sollten mit dem eigenen Steuerberater geklärt werden.
Factoring kann unabhängig davon Liquidität aus geeigneten Forderungen früher verfügbar machen.
6. Spesen und Reisekosten
Internationale oder bundesweite Mandate können erhebliche Zusatzkosten verursachen.
Beispiele sind:
- Hotels
- Flüge
- Bahnfahrten
- Mietwagen
- sonstige vereinbarte Auslagen
Ob solche Positionen gemeinsam mit dem Honorar angekauft werden können, hängt davon ab, ob sie Bestandteil einer wirksam entstandenen, vom Mandanten geschuldeten Forderung sind.
Eine belegte Auslage ist deshalb nicht automatisch factoringfähig.
7. Success Fees und variable Vergütung
Erfolgshonorare können im Interim Management eine wichtige Rolle spielen.
Für Factoring ist entscheidend, wann der Anspruch tatsächlich entsteht.
Ein zukünftiger Bonus, der beispielsweise erst nach Erreichen eines Turnaround-Ziels oder nach erfolgreichem Abschluss einer Transaktion fällig wird, ist vorher regelmäßig noch keine klassische bestehende Forderung.
Erst wenn die vertraglich definierten Voraussetzungen erfüllt sind und ein belastbarer Zahlungsanspruch entstanden ist, kann eine Factoringgesellschaft die Forderung prüfen.
8. Ausfallschutz richtig verstehen
Beim echten Factoring kann der Factor das vertraglich definierte Zahlungsunfähigkeitsrisiko für angekaufte und gedeckte Forderungen übernehmen.
Das ist gerade bei hoher Abhängigkeit von einem Mandanten wirtschaftlich relevant.
Ein vollständiger Schutz gegen jede Nichtzahlung besteht jedoch nicht automatisch.
Davon zu unterscheiden sind beispielsweise:
- Streit über Leistungsumfang
- nicht bestätigte Zeittage
- Aufrechnung
- Rückforderungen
- Forderungen außerhalb des Debitorenlimits
- noch nicht entstandene Success Fees
9. Debitorenmanagement und professionelle Distanz
Viele Interim Manager möchten die fachliche Beziehung zum CFO, CEO oder Gesellschafter nicht mit offenen Rechnungen belasten.
Je nach Factoringmodell kann ein Factor Aufgaben des Debitorenmanagements übernehmen.
Das kann organisatorische Vorteile bieten.
Ob dies offen oder in einem stilleren Modell erfolgt, hängt vom Anbieter und der konkreten Vertragsgestaltung ab.
Berger Factoring selbst ist Vermittler und übernimmt nicht automatisch das operative Mahnwesen.
10. Factoring und Bankenfinanzierung
Interim Manager sind häufig asset-light aufgestellt.
Das Geschäftsmodell basiert primär auf:
- Erfahrung
- Know-how
- Netzwerk
- persönlicher Leistung
Diese Faktoren lassen sich bankenüblich nicht wie Maschinen oder Immobilien besichern.
Factoring stellt deshalb eine andere Finanzierungslogik dar: Im Mittelpunkt steht die Forderung und insbesondere die Bonität des Debitors.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die eigene wirtschaftliche Situation völlig irrelevant ist oder Factoring automatisch bankenunabhängig macht.
11. Bilanz- und Ratingeffekte nicht überzeichnen
Factoring kann je nach rechtlicher und bilanzieller Ausgestaltung Auswirkungen auf den Forderungsbestand und bestimmte Kennzahlen haben.
Ein besseres persönliches oder geschäftliches Bankenrating folgt daraus jedoch nicht automatisch.
Insbesondere bei Einzelunternehmern und freiberuflichen Strukturen können steuerliche und bilanzielle Besonderheiten bestehen.
Weitere Grundlagen finden Sie unter Wie wirkt sich Factoring auf die Bilanz aus?.
Praxisbeispiel
Praxisbeispiel: Interim-CFO mit 90 Tagen Zahlungsziel
Um die Praxisnähe zu verdeutlichen, blicken wir auf ein konkretes Szenario, wie es uns bei Berger Factoring regelmäßig begegnet.
Einordnung: Das folgende Szenario ist eine illustrative Modellrechnung und keine dokumentierte Kundenreferenz oder Finanzierungszusage. Ankauffähigkeit, Vorauszahlungsquote, Debitorenlimit und Konditionen hängen von Mandatsvertrag, Auftraggeber, Forderungsqualität und Factoringgesellschaft ab.
Ausgangssituation
Ein selbstständiger Interim-CFO arbeitet im Modell für einen größeren Maschinenbauer.
| Kennzahl | Modellannahme |
|---|---|
| Monatliches Nettohonorar | 28.000 € |
| Zahlungsziel | 90 Tage |
| Mandatsdauer | 12 Monate |
| Hauptdebitor | Maschinenbauunternehmen |
Herausforderung
Nach mehreren Monaten können gleichzeitig erhebliche Honorarforderungen offen sein.
Der Interim Manager finanziert währenddessen Reisen, Versicherungen, Steuern und private beziehungsweise betriebliche laufende Kosten.
Factoring-Lösung
Für die Modellrechnung nehmen wir an, dass drei Monatsrechnungen über insgesamt 84.000 Euro ordnungsgemäß erbracht, unbestritten, abtretbar und vom Factor akzeptiert sind.
Bei einer rein illustrativ angenommenen Vorauszahlungsquote von 90 Prozent wären rechnerisch 75.600 Euro früher verfügbar.
| Position | Modellwert |
|---|---|
| Akzeptierte Forderungen | 84.000 € |
| Illustrative Vorauszahlungsquote | 90 % |
| Rechnerisch frühere Liquidität | 75.600 € |
| Vorläufiger Einbehalt | 8.400 € |
Ergebnis
Der Interim Manager könnte die früher verfügbare Liquidität nutzen, ohne auf das vereinbarte 90-Tage-Zahlungsziel warten zu müssen.
Das Beispiel unterstellt jedoch weder eine garantierte Auszahlung innerhalb von 24 Stunden noch einen garantierten Ankauf jeder zukünftigen Monatsrechnung.
12. Wann kann Factoring für Interim Manager interessant sein?
Eine Prüfung kann besonders sinnvoll sein, wenn:
- überwiegend B2B-Mandate bestehen,
- lange Zahlungsziele vereinbart sind,
- monatlich hohe Honorare fakturiert werden,
- ein großer Teil des Umsatzes auf wenige Mandanten entfällt,
- Rechnungen und Leistungsnachweise klar dokumentiert sind.
Ähnliche Strukturen finden sich bei Factoring für Patentanwälte.
Auch Factoring für Wirtschaftsmediation behandelt projekt- und honorarbasierte B2B-Forderungen.
Weitere Parallelen bestehen bei Factoring für Rechtsanwälte.
13. Was kostet Factoring für Interim Manager?
Die Konditionen hängen von der konkreten Struktur ab.
Einfluss können beispielsweise haben:
- Jahresumsatz
- Factoringvolumen
- Anzahl der Mandanten
- Debitorenkonzentration
- Bonität der Auftraggeber
- Zahlungsziele
- Rechnungshöhen
- gewünschter Leistungsumfang
Neben der Factoringgebühr können Finanzierungsentgelt und weitere vertraglich vereinbarte Kosten entstehen.
Eine pauschale Aussage, Factoring sei günstiger als ein Bankkredit, wäre ohne konkrete Vergleichsrechnung nicht belastbar.
Weitere Informationen finden Sie unter Factoring-Kosten und Gebühren.
14. Warum Berger Factoring?
Berger Factoring ist unabhängiger Factoring-Vermittler und keine selbst ankaufende Factoringgesellschaft.
Bei Interim Managern unterscheiden sich Anbieter insbesondere bei:
- Einzelunternehmern
- kleinen Jahresumsätzen
- Ein-Debitoren-Strukturen
- hohen Einzelrechnungen
- internationalen Mandanten
- stillen oder offenen Modellen
Wir prüfen, welche Anbieter zur tatsächlichen Mandats- und Forderungsstruktur passen.
Weitere Grundlagen finden Sie unter Factoring-Anbieter vergleichen.
Factoring für Ihr Interim-Mandat prüfen
Sie fakturieren hohe B2B-Honorare und lange Zahlungsziele binden Ihre Liquidität?
Berger Factoring unterstützt Sie unabhängig bei der Auswahl einer Factoringgesellschaft für Ihre Mandats- und Debitorenstruktur.
Kostenloses Erstgespräch vereinbarenHäufige Fragen zu Factoring für Interim Manager
Können Einzelunternehmer Factoring nutzen?
Das kann möglich sein. Ob ein Anbieter Einzelunternehmer akzeptiert, hängt von dessen Zielkundengruppe, Mindestvolumen und Forderungsstruktur ab.
Werden Rechnungen garantiert innerhalb von 24 Stunden ausgezahlt?
Nein. Kurze Auszahlungszeiten können nach Einrichtung eines Vertrags möglich sein, sind aber nicht pauschal garantiert.
Können Reisekosten mitfinanziert werden?
Das kann möglich sein, wenn sie Bestandteil einer wirksam entstandenen und vom Mandanten geschuldeten Forderung sind. Die konkrete Prüfung übernimmt der Factor.
Können Success Fees faktoriert werden?
Erst wenn die vertraglichen Voraussetzungen erfüllt sind und ein belastbarer Zahlungsanspruch entstanden ist, kann eine solche Forderung geprüft werden.
Schützt echtes Factoring zu 100 Prozent vor Honorarausfällen?
Nein. Der vertragliche Delkredere-Schutz bezieht sich auf angekaufte und gedeckte Forderungen sowie das definierte Zahlungsunfähigkeitsrisiko. Leistungsstreitigkeiten und andere Einwendungen sind davon zu unterscheiden.
Kann Factoring auch bei nur einem Mandanten funktionieren?
Das hängt vom Anbieter, der Bonität des Mandanten und dem zulässigen Debitorenlimit ab. Eine hohe Konzentration ist ein wichtiger Prüfpunkt.
Ist Factoring steuerlich vollständig abzugsfähig?
Die steuerliche Behandlung hängt von der individuellen Situation ab und sollte mit dem eigenen Steuerberater geklärt werden.
Ist stilles Factoring immer möglich?
Nein. Ob ein stilles Modell angeboten werden kann, hängt von Factoringgesellschaft, Forderungsart und Unternehmensstruktur ab.
Fazit: Honorarforderungen professionell in Liquidität übersetzen
Interim Manager können trotz hoher Tagessätze erhebliche Liquidität binden, wenn wenige Mandanten lange Zahlungsziele nutzen.
Factoring kann geeignete bereits entstandene Honorarforderungen früher liquiditätswirksam machen.
Besonders wichtig sind dabei die Bonität des Mandanten, die hohe Debitorenkonzentration, eindeutige Leistungsnachweise und klare Vertragsbedingungen.
Factoring ist weder eine Garantie für 24-Stunden-Auszahlung noch ein vollständiger Honorarschutz, eine automatische Finanzierung zukünftiger Success Fees oder eine pauschale Ratingverbesserung.
Richtig ausgewählt kann es für selbstständige Interim Manager jedoch ein sinnvoller Baustein für planbareres Working Capital und größere finanzielle Flexibilität sein.



